Untersuchung zur Rolle der Phagozytose apoptotischer Zellen bei der ambulant erworbenen Pneumonie durch S. pneumoniae
Hintergrund: Als
Apoptose wird die physiologische Form des Zelltodes bezeichnet. Sie ist
für die Aufrechterhaltung der zellulären Homöostase in multizellulären
Organismen von großer Bedeutung. Apoptotische Zellen werden aus dem
Zellverband durch Phagozytose entfernt. Die Phagozytose erfolgt meist
in frühen Stadien der Apoptose. Dadurch wird verhindert, dass nach
Zellmembranlyse intrazelluläre Bestandteile wie freie Radikale und
Proteasen freigesetzt werden, die im umliegenden Gewebe
Entzündungsreaktionen hervorrufen (1). Im Rahmen der Phagozytose
apoptotischer Zellen kommt es zur Expression und Freisetzung
antiinflammatorischer Zytokine wie z.B. TGF-β1 und Prostaglandin E2
(1). Im Gegenzug werden proinflammatorische Zytokine wie z.B. TNFα,
IL-1β, IL6 herunterreguliert (1). Insgesamt kommt es so zur Ausbildung
eines antiinflammatorischen Zytokin-Profils. Werden statt apoptotischer Zellen nekrotische
Zellen phagozytiert, kommt es zur Freisetzung proinflammatorischer
Mediatoren, so dass ein proinflammatorisches Milieu entsteht (1).
Eigene Untersuchungen konnten belegen, dass es bei der Phagozytose
apoptotischer Zellen nicht nur zur Freisetzung von
antiinflammatorischen Mediatoren kommt, sondern auch Wachstumsfaktoren
wie VEGF heraufreguliert und freigesetzt werden (2, 3). Sowohl am
Tiermodell als auch beim Menschen konnte nachgewiesen werden, dass die
Infektion mit S. pneumoniae, dem häufigsten Erreger bei der ambulant
erworbenen Pneumonie, zu einem vermehrten Auftreten abgestorbener
Zellen in der Lunge führt. In Vitro-Versuche konnten zeigen, dass S.
pneumoniae bei Granulozyten sowohl Apoptose als auch Nekrose erzeugen
kann. Es wird angenommen, dass In Vivo bei der
Pneumokokken-Pneumonie der apoptotische Zelltod überwiegt. Gegenwärtig
ist nicht geklärt, welche Rolle die Phagozytose abgestorbener Zellen
bei der Pneumokokken-Pneumonie spielt. Insbesondere ist unklar, welches
Zytokinprofil Phagozyten, die gleichzeitig Kontakt zu S. pneumoniae und
apoptotischen Zellen haben, exprimieren. Studien von Bergeron et al.
konnten am Pneumokokken-Modell der Maus zeigen, dass es trotz
bakterieller Besiedelung nach 48h zu einer Herunterregulierung von
TNF-α, Il-1β und IL6 kommt (4). Weiterhin kommt es zu diesem Zeitpunkt
zur vermehrten Ausbildung eines interstitiellen Ödemes und zu ersten
Reperaturprozessen (Proliferation von Typ-II-Zellen). Inwieweit in
dieser Entzündungsphase antiinflammatorische Mediatoren heraufreguliert
werden, ist nicht bekannt. Da zu diesem Zeitpunkt vermehrt abgestorbene
Zellen (meist Neutrophile) in der Pneumonie-Lunge vorhanden sind,
vermuten wir, dass die Phagozytose apoptotischer Zellen durch
Alveolarmakrophagen zu einer Änderung des Zytokinprofils in der Lunge
führt. Wir vermuten, dass eine Änderung des Zytokinprofils durch
Phagozytose apoptotischer Zellen den Krankheitsverlauf unmittelbar
beeinflusst. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes möchten wir daher die
Rolle der Phagoyztose apoptotischer Zellen bei der Ambulant Erworbenen
Pneumonie durch S. pneumoniae untersuchen.
Arbeitshypothesen: Folgende Fragen sollen im Laufe des Projektes beantwortet werden:
Wie
verändert die Phagozytose apoptotischer Zellen das Zytokinprofil von
Alveolarmakrophagen, die vorher Kontakt zu S. pneumoniae hatten?
Führt
die Phagozytose apoptotischer Zellen bei der Pneumokokken-Pneumonie zu
einer Aufregulierung antiinflammatorischer Zytokine und
Wachstumsfaktoren im Lungengewebe?
Lässt sich am
Mausmodell durch die pulmonale Applikation von
apoptotischen/nekrotischen Zellen das Zytokinprofil und der Verlauf der
Pneumokokken-Pneumonie verändern?